Dem Abschwung mit einer smarten Gründungspolitik begegnen

Es besteht kein Zweifel daran, dass die wirtschaftliche Krise, die auf die einschneidenden Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus folgt, die Beschäftigungsquoten massiv beeinflussen wird. Es ist auch wahrscheinlich, dass der zu erwartende Beschäftigungseinbruch sich in vielen europäischen Ländern stärker auf Migranten als auf Nicht-Migranten auswirken wird: Viele von ihnen sind in Beschäftigungsverhältnissen mit einem schwächeren Kündigungsschutz. Eine Rolle spielt auch die traditionelle Unternehmenspolitik – last in, first out.

Eine mögliche Folge dieser Entwicklung ist, dass mehr Menschen aus der Not heraus Unternehmen gründen und dass gerade Menschen mit Migrationshintergrund hier überrepräsentiert sein werden. Jetzt ist es an der Zeit, sich hierauf vorzubereiten und eine Politik zu betreiben, die sich nicht gegen diese Entwicklung stemmt, sondern sie vielmehr als Chance und einen der Wege für eine rasche wirtschaftliche Erholung nach der Krise anerkennt. Soll diese Politik erfolgreich sein, muss sie sich zum Ziel setzen, diesen Gründungsboom zu unterstützen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, dass die dadurch entstehenden Unternehmen mit guten Geschäftsmodellen in den Markt starten, sodass aus ihnen nachhaltig erfolgreiche Betriebe werden können.

Die Ausgangssituation ist gar nicht so schlecht. Überall in Europa sind Migranten unternehmerischer als Nicht-Migranten, und auch in Deutschland unterscheidet sich die Quote der von Migranten gegründeten Unternehmen nicht so sehr von der in anderen Ländern. Nicht nur in westdeutschen Städten lag die Zahl der Unternehmensgründungen durch Ausländer in den vergangenen Jahren meist zwischen 25 und 40 Prozent: So wurden im Kreis Görlitz im Jahr 2013 47 Prozent aller Unternehmen von Ausländern gegründet. Bis 2018 stieg dieser Anteil gar auf 61 Prozent. Die meisten von ihnen kommen aus Polen, und die Stadt hat in der Tat eine Politik, um gerade Unternehmer aus dem nahen Nachbarland für die Gründung von Unternehmen zu gewinnen.

Mehr Unternehmensgründungen in Norwegen und Schweden

In Schweden stellt die Stadt Malmö einen Ausreißer dar – 47 Prozent der Gründer sind hier Ausländer. In Stockholm (31 Prozent) und Göteborg (34 Prozent) ist dieser Anteil geringer. In Oslo lag der Anteil der Gründungen durch Migranten im Jahr 2016 bei 37 Prozent, während er in Hordaland (Region Bergen) nur 19 Prozent betrug. Grundsätzlich gründen Menschen in Norwegen und Schweden pro Kopf viel mehr Unternehmen als in anderen Ländern, auch Migranten. Der große Unterschied ist aber die Bedeutung der Migranten für das unternehmerische Ökosystem der Städte und die Wirtschaft insgesamt.

In den meisten deutschen Städten ist die Quote der Unternehmer mit Migrationshintergrund bei steigender Beschäftigungsquote gesunken, was darauf hindeutet, dass die Menschen dem Unternehmertum eine feste Anstellung vorziehen. Dies könnte sich in der Krise ändern. In Schweden hingegen steigt die Zahl der Gründer mit Migrationshintergrund, während gleichzeitig auch die Erwerbsquote von Migranten steigt. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass Migranten in Deutschland anscheinend öfter Unternehmen gründen, die nicht wachsen.

Während es deutsche Gründer lieben, ein Einzelunternehmen zu gründen, lieben es Migranten in Deutschland noch mehr. In Düsseldorf, Bremen und Mannheim lag der Anteil der Unternehmen, die entweder als GmbH oder UG begonnen haben, zwischen 20 und 23 Prozent, was eine Steigerung zu 2013 bedeutet. In Duisburg und Dortmund lag der Anteil zwischen 10 und 15 Prozent.

In Norwegen hat Oslo eine geringe Anzahl von AS (norwegische GmbH), wobei nur 38 Prozent der Neugründungen eine GmbH sind. In anderen Städten liegt der Anteil bei etwa 40 Prozent. In Schweden ist der Prozentsatz sogar noch höher. Von den gegründeten Unternehmen betrug der Anteil der ABs (schwedische GmbH) 44 Prozent in Malmö und 57 Prozent in Stockholm. Kleinere Städte wie Lund und Helsingborg liegen ebenfalls in diesem Bereich. Während wir nicht genau wissen, welche Unternehmensform norwegische Migranten gründen, ist es interessant, dass in Malmö 42 Prozent aller ABs von Migranten gegründet wurden, in Stockholm waren es 26 Prozent. Das bedeutet, dass Migranten in Schweden eine hohe Chance haben, eine AB zu gründen, und eine noch höhere Chance, eine GmbH zu gründen als Norweger in Norwegen und Deutsche in Deutschland.

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Wenn sie ein Einzelunternehmen führen, tragen Sie das ganze Risiko, was bedeutet, dass jedes Wachstum oder jede Einstellung ein großes persönliches Risiko darstellt. Das bedeutet, dass die Unternehmensform schlecht für das Geschäft ist. Als Grundregel gilt, dass sie diese Gesellschaftsform nicht gründen sollten, wenn sie nicht gerade als freiberuflicher Schriftsteller oder Künstler tätig sein wollen. Ich denke, im kommenden Konjunkturtief sollte es das Ziel sein, mehr Menschen dazu zu bringen, eine GmbH zu gründen – und nicht Einzelunternehmen.

Warum der Unterschied?

Es gibt wohl zwei Hauptgründe für diesen Unterschied. Der erste liegt in der nationalen Politik: Sowohl in Schweden als auch in Norwegen ist es einfach und kostengünstig, ABs/ASs zu starten. In Deutschland ist es teuer, eine GmbH zu gründen – und es gibt so viele Nachteile in der Gründung einer UG, sodass diese Form nicht wirklich angenommen wird. Auf nationaler Ebene war das bekannt, aber als ich anfing, die Unterschiede auf lokaler Ebene zu untersuchen, war der Unterschied zwischen Deutschland und Skandinavien, wie oben erwähnt, erschreckend. Durch die Abschaffung von Vorschriften und die Erleichterung und Verbilligung der Gründung von GmbHs könnte sich Deutschland in den kommenden, schwierigen Jahren sowohl mit dem Unternehmertum von Migranten als auch von Nicht-Migranten rühmen. Aber die Bundesregierung kann nicht alles in Ordnung bringen, da die Regulierung nicht alles erklärt.

Die Gründung einer GmbH ist in Norwegen genauso einfach wie in Schweden, und sie ist sogar noch günstiger. Warum also gründen Schweden und Migranten in Schweden eher eine GmbH als Norweger? Ich denke, der Grund ist einfach, dass sie besser vorbereitet sind. Und hier spielen die Kommunen eine Rolle. Die erfolgreichsten Kommunen zeichnen sich durch drei Merkmale aus. Erstens haben sie eine klare Strategie, um Talente ausfindig zu machen, die ein Unternehmen gründen wollen. Zweitens sind sie in der Lage, die Talente so zu beraten und zu begleiten, dass sie auch in der Lage sind, ihre Gründungsidee umzusetzen und ein Team aufzubauen. Drittens müssen sie die Unternehmen an ein bestehendes Ökosystem anbinden.

Talente finden und fördern

Viele deutsche Großstädte führen bereits gute Projekte durch. In Mannheim unterstützt der Verein Pro-Social Business bei der Gründung. In Saarbrücken übernimmt das FiTT diese Aufgabe, während die Gründerinitiative für Saarbrücken versucht, Menschen zum Gründen zu ermutigen. In NRW gibt es das Startcenter NRW und in Bielefeld die Founders Foundation. Der Trick besteht darin, diese Organisationen dazu zu bringen, mit anderen Stellen (Arbeitsamt, Inkubatoren, Schulen, Handelskammern) im lokalen Ökosystem zu sprechen, und die Gründer mit Migrationshintergrund dazu zu bringen, dieses Netzwerk zu nutzen. Darüber hinaus müssen die Personen, die Talente ausfindig machen können (Arbeitsämter, Schulen und gesellschaftliche Akteure), wissen, wie sie die aufstrebenden Unternehmer unterstützen können. Personen, die bei der Gründung eines Unternehmens helfen, sollten die Vorteile einer GmbH klar darlegen und den Gründern helfen, mit den Organisationen in Kontakt zu treten, die ihnen beim Wachstum helfen können. In Deutschland kann man bei der Förderung von Unternehmern mit Migrationshintergrund gut vorankommen, wenn es gute und unterstützende, lokale IHKs gibt.

Und schließlich dürfen gesellschaftliche Akteure wie Vereine nicht vergessen werden. Viele treten in Vereine und Verbände ein, weil die Eintrittsbarrieren niedrig sind, und es scheint ein Ort zu sein, an dem man etwas ohne allzu großes Risiko tun kann. In Schweden arbeiten Organisationen wie Bling Startup, Järvaweckan und Årets Nybyggar als Talentscouts für die zukünftigen Unternehmensgründer. Sie wurden von der schwedischen Wirtschaft mit einbezogen. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass dies im Land des e.V. nicht geschehen kann.

Schlussendlich: Wenn die Regulierung gelockert, die gesellschaftlichen Akteure einbezogen und vor Ort gearbeitet wird, werden viel mehr Unternehmer erfolgreich sein. Vielleicht führt dies zu einer neuen Gründerzeit – wie es in Schweden bereits der Fall ist.



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