Schreibtisch mit Computer, an der Wand der Schriftzug "Productivity" © XtravaganT - stock.adobe.com

Effizienz und Teilhabe zusammen denken

Die schwächelnde Produktivität muss wieder stärker steigen – nicht nur für wenige, sondern in der Breite. Damit kann Deutschland wettbewerbsfähig bleiben und „Wachstum für alle“ kann wieder gelingen.


Unser aktuelles Wirtschaftswachstum ist nicht inklusiv. Eine Ursache ist die stagnierende Produktivität: Die Fähigkeit, mit den eingesetzten Mitteln immer mehr zu erwirtschaften, hat in Deutschland nachgelassen. War die Produktivität in der Vergangenheit der Garant für Wettbewerbsfähigkeit und breite Teilhabe, so wächst sie heute nur für wenige Unternehmen. Das führt zur Zunahme von Lohnungleichheit und zu wachsenden Unterschieden zwischen Regionen in Deutschland.

Auf lange Sicht muss die Produktivität ohnehin stärker steigen: die Baby-Boomer verlassen den Arbeitsmarkt, immer weniger Beschäftigte müssen dann immer mehr erwirtschaften – durch Zuwanderung und moderne Familienpolitik allein lässt sich diese Lücke nicht schließen. Gleichzeitig erhöhen Globalisierung und Digitalisierung den Wettbewerbsdruck. Deutschland muss also „mehr aus seinen Möglichkeiten“ machen, die Wirtschaftspolitik muss stärker auf Produktivität ausgerichtet sein – ohne dabei das Ziel von besserer Teilhabe als Fundament der Sozialen Marktwirtschaft zu vernachlässigen.

Agenda für Produktivität und Teilhabe

Kurzum: Deutschland braucht eine Agenda für Produktivität und Teilhabe – wirtschaftspolitische Maßnahmen, die auf Produktivitätssteigerungen in der Breite und somit Wachstum und Teilhabe zugleich einzahlen. Das Projekt setzt das Produktivitätswachstum auf die wirtschaftspolitische Agenda und erarbeitet Handlungsoptionen, die Produktivität und Teilhabe gleichermaßen erhöhen. Die Empfehlungen konzentrieren sich auf drei Bereiche, in denen Handlungsbedarf besteht:

  • Wettbewerbspolitik: Die zunehmende Unternehmenskonzentration hemmt die gesamtwirtschaftliche Produktivität – viele Firmen, Branchen und Regionen halten im digitalen Wettbewerb nicht mehr mit. Wirtschaftspolitik kann hier einen modernen und gleichzeitig wettbewerbsfördernden Rahmen schaffen, der Anreize für mehr Produktivitätswachstum setzen kann.
  • Investitionspolitik: Veraltete Anlagen und Lücken in der (digitalen) Infrastruktur gefährden Wachstum und Teilhabe. Vor allem der deutsche Mittelstand investiert nicht ausreichend in sogenanntes „Wissenskapital“, einem zentralen Treiber der Produktivität. Es braucht Strategien und Instrumente für mehr öffentliche und private Investitionen, die Teilhabe und Produktivität steigern.
  • Innovationspolitik: Produktivitätswachstum braucht Innovationen in der Breite. Die Verzahnung von Unternehmen, Forschung und Gründern konzentriert sich jedoch auf einige Zentren; in strukturschwachen Regionen und vielen Branchen liegt das Innovationssystem brach. Ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel kann Deutschland zu einem starken Innovationsstandort machen – und alle Beschäftigten, Firmen und Regionen dabei besser einbinden.  


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