Moore: Bedeutsam für Landschaft und Klimapolitik

Viele Menschen haben damals wie heute keine besonders gute Beziehung zu Mooren. Sie denken zuerst an Moorleichen oder stellen sich grauenhafte Sümpfe mit geisterhaften Nebelschleiern und Irrlichtern vor.

Sogar Goethe, nicht nur Dichter sondern auch Naturforscher, schrieb einst: „Ein Sumpf zieht am Gebirge hin, Verpestet alles schon Errungene; …“.

Selbst nicht frei von solchen düsteren Vorstellungen, versuche ich jedoch heute mit meiner Forschung zur Wiederherstellung von diesen Ökosystemen beizutragen, die in der jungeiszeitlich geprägten Landschaft des nord-ostdeutschen Tieflands vor etwa 14.000 Jahren ihr sogenanntes Torfwachstum begonnen haben.

Moore als „Nieren der Landschaft“

Sie haben bei einem jährlichen Zuwachs von 1 bis 2 Millimetern an humifiziertem organischem Pflanzenmaterial bis zu 10 Meter mächtige Torfkörper gebildet und erfüllen bis heute als Schnittstellen zwischen Land und Wasser eine zentrale Funktion für den Stoff- und Wasserhaushalt der Landschaft.

Gleichzeitig sind sie im ungestörten Zustand wichtige Lebensräume für eine Vielzahl seltener bzw. selten gewordener Pflanzen- und Tierarten. Nicht entwässerte bzw. wachsende Moore sind bedeutende dauerhafte Senken für Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und viele andere Stoffe.

Trotz des geringen Flächenanteils von etwa 3 Prozent der globalen Landfläche speichern die Moore etwas mehr als 20 Prozent des terrestrischen Kohlenstoffs. Die gleichzeitige Speicherung von Wasser hat zur Bezeichnung „Nieren in der Landschaft“ geführt.

Viele Moore im Zuge der Landnutzung entwässert

Im Zuge einer immer intensiveren Landnutzung durch den Menschen wurden in Deutschland insbesondere mit Beginn der 1960er Jahre jedoch mehr als 95 Prozent der Moorflächen entwässert.

Erste großflächige Entwässerungsmaßnahmen wurden bereits im 18. Jahrhundert durchgeführt. Bekannte Beispiele aus dieser Zeit sind das Havelluch und das Oderbruch.

Aber erst die tiefgründige Entwässerung bei gleichzeitig intensiver Landnutzung hat zu einem fast vollständigen Verlust der für Moore typischen Pflanzen- und Tierwelt geführt. Durch die Grundwasserabsenkung kommt es zu einer „Belüftung“ und Mineralisierung der Torfe und damit zu Absackungen des Geländeniveaus um 1 bis 2 Zentimetern pro Jahr.

Die Veränderung der bodenphysikalischen Eigenschaften infolge der Trockenlegung und Nutzung führt zu einem Verlust der „Schwammfunktion“, so dass überschüssiges Wasser nicht zurückgehalten und natürlicherweise auftretende Wasserdefizite nicht ausgeglichen werden können.

Die Entwässerung vermindert nicht nur die Fähigkeit, Stoffe zu binden. Auch werden über hunderte bis tausend Jahre gespeicherte Stoffe in großen Mengen in kurzer Zeit freigesetzt.

Moore finden mehr Beachtung in der Klimapolitik

Somit wandelt sich die Funktion der Moore von einer Senke in eine Quelle für Nährstoffe und vor allem auch für die Treibhausgase Kohlendioxid und Lachgas. Da entwässerte Moore große Mengen klimarelevanter Gase emittieren, wird deren Wiederherstellung zunehmend weltweit Beachtung geschenkt, um die Klimaziele zu erreichen.

Das Verschwinden der Moore als natürliche Retentionsräume für die Nährstoffe ist ein wesentlicher Grund dafür, dass diffusive Nährstoffeinträge aus Agrarflächen in die Gewässer auch bei verbesserter Düngepraxis bisher nicht entscheidend verringert werden konnten.

Wiedervernässung: Funktion der Moore wiederherstellen

Für die Wiederherstellung der ursprünglichen Funktion der Moore in der Landschaft werden jetzt in einigen Ländern Europas umfassende Maßnahmen zur Wiedervernässung geplant und durchgeführt, so dass bisherige landwirtschaftliche Nutzungen aufgegeben werden müssen.

Um langfristig ein erneutes Torfwachstum zu ermöglichen, muss der Torfkörper vollständig wassergesättigt sein. Da durch Schrumpfungs- und Sackungsprozesse die entwässerten Moorflächen unter dem Niveau der angrenzenden Gewässer liegen, führen Wiedervernässungsmaßnahmen aber häufig zunächst zur Bildung von nährstoffreichen Flachseen, die allerdings in wenigen Jahren mit Sumpfpflanzen wie Rohrkolben und später auch mit Schilf vollständig zuwachsen können.

© Dominik Zak

Bild: Langsam zuwachsendes überstautes Moor (links) und die Mahd von Schilfbeständen (rechts) auf vernässten Moorböden im Peenetal (Mecklenburg-Vorpommern) mit spezieller Erntetechnik zur Reduzierung der Nährstoffüberschüsse im Boden.

Untersuchungen in Dänemark belegen, dass etwa 100 Kilo Stickstoff pro Hektar wiederhergestellte Feuchtgebietsfläche zurückgehalten werden können. Für die Wiederherstellung der ursprünglichen Phosphor-Senkenfunktion muss jedoch eine längere Regenerationszeit angenommen werden.

Umsicht bei der Planung der Wiedervernässung nötig

Eine besondere Umsicht bei der Planung und Umsetzung ist daher geboten, wenn die Wiedervernässung im Zustrom von nährstoffarmen Seen stattfindet. Bei erhöhten Austragsrisiken ist eine vorherige Flachabtorfung ( eine Entfernung der Schicht der stark zersetzten Torfe) zu empfehlen.

Dadurch lassen sich nach jetzigem Kenntnisstand auch die in der Anfangsphase der Wiedervernässung beobachtete hohe Methanfreisetzung deutlich reduzieren.

Eine weitere Möglichkeit, die Nährstoffüberschüsse im Moorboden zu reduzieren, besteht in einer nassen Bewirtschaftungsform der Moore (Paludikultur), bei der man beispielsweise die großflächig etablierten Schilfbestände aberntet (siehe Bild).

Es braucht Geduld

Fazit für die Wiedervernässung von Mooren ist: Sind sie wieder nass, wird zumindest die Torfzersetzung gestoppt.  Goethe würde heute möglicherweise schreiben:

„Ein Sumpf zieht in den Tälern hin; bewahrt uns alles schon Errungene“.

Bis sie jedoch wieder einen naturähnlichen Zustand erreichen und ihre landschaftsökologischen Funktionen voll erfüllen, können Jahrzehnte vergehen.

Es können sogar unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, die sich aber durch ein gezieltes an bestimmte Moorstandorte angepasstes Management wie „Oberbodenabtrag“ oder „Langsame Vernässung“ verhindern lassen.

Mehr dazu in der Publikation: „A call for refining the peatland restoration strategy in Europe.


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