Schatten laufender Männer auf Tartanbahn

Wettbewerb für inklusive Produktivität

Wettbewerb ist das wichtigste Gestaltungselement der Marktwirtschaft. Damit er fair ist, muss er klaren Regeln gehorchen.


Zusammenfassung

  • Wettbewerb ist einer der wichtigsten Gestaltungselemente in der Volkswirtschaft
  • Wettbewerb führt zu:
    • einer kostengünstigeren Produktion
    • günstigeren und besseren Produkten
    • mehr Forschungs- und Innovationsanreizen für Unternehmen
  • Wettbewerb darf aber nicht zum Ergebnis haben, dass nur einige wenige Akteure profitieren.
  • Wettbewerb als Institution muss geschützt werden.

 

Wenn mindestens zwei Akteure in einem Markt um die Gunst einer Käuferschaft konkurrieren, spricht man von Wettbewerb. Wettbewerb sorgt volkswirtschaftlich betrachtet dafür, dass Unternehmen sich um die kostengünstigste Produktion bemühen und gleichzeitig das bestmögliche Produkt zu günstigen Preisen für ihre Kunden auf den Markt bringen wollen. In der Theorie haben also alle etwas von einem funktionierenden Wettbewerb.

Konkurrenz belebt das Geschäft – aber wessen?

Allerdings konzentriert sich der Wettbewerb weltweit wie national zunehmend auf einige wenige Akteure – viele Firmen, Branchen und Regionen halten im Wettbewerb nicht mehr mit. US-amerikanische Studien zeigen eine deutliche Zunahme der so genannten Marktkonzentration: Immer weniger Unternehmen teilen sich immer größere Stücke vom „Kuchen“ des Gesamtmarkts (Autor et al., 2017; Grullon et al., 2017). In Europa scheint das Bild weniger eindeutig. Studien finden zwar keinen signifikanten Anstieg der Marktkonzentration, wohl aber einen Anstieg der durchschnittlichen Marktmacht, so dass auch hier wenige Unternehmen dominanter werden (Valletti, 2017; Weche und Wambach, 2018).

Zunehmende Marktmacht einiger weniger Unternehmen führt zu einem abnehmenden Wettbewerbsdruck. Eine mögliche Konsequenz: Ressourcen werden nicht mehr optimal eingesetzt. Wenn die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital zunehmend zu wenigen großen Unternehmen wandern, haben kleinere und mittlere Unternehmen Schwierigkeiten im Wettbewerb mitzuhalten – und Start-ups Schwierigkeiten sich zu finanzieren. Strukturschwache Regionen werden weiter abgehängt.

Darüber hinaus kann eine zunehmende Marktmacht weitere weitreichende Auswirkungen haben. So sehen US-Forscher einen direkten Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Marktmacht und dem Rückgang der Lohnquote (De Loecker und Eeckhout, 2017; Autor et al., 2017). Es findet eine Machtverschiebung von Arbeit zum Kapitel statt. Ein weiteres Risiko: Die Produktivität kann sinken. Denn wenn die Kostenkontrollfunktion des Wettbewerbs fehlt, haben Unternehmen weniger Anreize, mit den kosteneffizientesten Produktionstechnologien zu wirtschaften.

Noch weiter dreht sich diese Spirale, wenn darüber hinaus der Innovationsdruck fehlt: Dann werden weniger neue Produkte und Technologien auf den Markt gebracht – beides drückt auf das Produktivitätswachstum. Am Ende des Tages gewinnen einige wenige mächtige Unternehmen, der große Rest verliert – Verbraucher, kleinere und mittlere Unternehmen, strukturschwächere Regionen.

Um dieses zu verhindern, brauchen wir einen offenen und fairen Wettbewerb. Ökonomen sprechen hier von einem „level playing field“, einem Spielfeld, auf dem alle Spieler nach den gleichen Regeln spielen und die gleiche Chance haben zu gewinnen. Ob dieses aktuell noch der Fall ist, wird mehr und mehr bezweifelt. Das Spielfeld scheint sich zugunsten einiger weniger dominanten Spieler verschoben zu haben.

Also ist eine aktive Rolle der Wettbewerbspolitik gefordert, diese Spielregeln zu setzen, zu überwachen und wenn nötig, die Missachtung der Regeln zu sanktionieren. Nur dann kann ein inklusives Produktivitätswachstum gelingen.

Wettbewerbspolitik als Rahmensetzer

Der Staat spielt eine entscheidende Rolle als Rahmensetzer und Impulsgeber: Eine aktiv gestaltende Wettbewerbspolitik muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass alle Beschäftigten, Unternehmen und Regionen die gleichen Chancen haben, produktiver werden können. Der Wettbewerb muss offengehalten und fair gestaltet werden, damit er seine positiven Wirkungen entfalten kann. Dann kann Wettbewerb ein inklusives Produktivitätswachstum möglich machen.

 



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